Aeskulap-Stab
Einleitung
Luminanz-Kontrast
Relief-
Phasenkontrast
Abgeblendeter 
Phasenkontrast
Abgeblendetes 
Dunkelfeld
Digitaler
Phasenkontrast
Mikrofotografie
und Analyse
Zytometrie im
Reflexionskontrast
Kapillaroskopie
Video-Endoskopie
Kardiovaskuläre
Risikokalkulation
Verhaltensbezogenes 
Risiko-Management
Effizienz der
Rehabilitation
Diagnostik in der
Rehabilitation
Komplementäre
Medizin
Publikationen
Lebenslauf
Universität
Oradea
U.N.E. Brüssel
Verhaltensbezogenes 
Risiko-Management

Verschiedene Forschungsprojekte wurden seitens des Autors durchgeführt, um zu evaluieren, in welchem Umfang vorhandene kardiovaskuläre Risikofaktoren durch eine adäquate Verhaltensänderung seitens betroffener Patienten beeinflussbar sind. Diese Projekte beziehen sich jeweils auf verhaltensbezogene Schulungen, welche in einer Rehabilitationsklinik stattfanden.

Ein Screening kardiovaskulärer Risiken ist Deutschland fundamentaler Bestandteil jeder stationären Rehabilitation. Für Patienten, welche von relevanten Risikofaktoren betroffen sind, bestehen komplexe Behandlungsprogramme, welche darauf ausgerichtet sind, existierende kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren, um auf diese Weise die langfristige Prognose der betreffenden Patienten zu verbessern. Die jeweiligen Therapieprogramme basieren auf einer intensiven Ernährungsschulung (Einzelberatungen und Gruppensitzungen), Teilnahme der Patienten an einer Lehrküche, auf Ausdauer ausgerichteten sportlichen Trainingsprogrammen und psychologischer Mitbetreuung. Die psychologische Behandlung berücksichtigt eine Erarbeitung der geeigneter Strategien zur Verbesserung der Stresstoleranz, beinhaltet das Lernen von Entspannungstechniken und schließt bedarfsweise weitergehende Psychotherapien in Einzel- und Gruppensitzungen ein. Die jeweiligen klinischen Rehabilitationsbehandlungen waren bei den betreffenden Patienten jeweils auf einen Zeitraum von 4 Wochen ausgelegt.

Ein erstes Forschungsprojekt zum Risikomanagement wurde von 1992 bis 1993 bearbeitet. Dieses basierte auf 1537 Rehabilitationspatienten, die von Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen und/oder Adipositas betroffen waren (Projekt 1). Diese Patienten wurden über 13 Monate nach Entlassung aus ihrer Rehabilitationsbehandlung nachbeobachtet. In den meisten Fällen blieben vorhandene kardiovaskuläre Risikofaktoren langfristig reduziert. Für dieses Forschungsprojekt erhielt der Autor 1994 den in Deutschland verliehenen Forschungspreis für Prävention und Rehabilitation.

Ein zweites Forschungsprojekt basierte auf 700 Rehabilitationspatienten, die von den vorerwähnten Risikofaktoren betroffen waren. Diese Patienten wurden über eine Periode von insgesamt 3 Jahren nachbeobachtet. Auch in diesen Fällen blieben die jeweiligen Risikofaktoren mehrheitlich langfristig reduziert. Auf diese Weise konnte gezeigt werden, dass stationäre Rehabilitationsprogramme durchaus geeignet sind, vorhandene kardiovaskuläre Risikofaktoren langfristig erfolgreich zu reduzieren.

Im einzelnen führten diese Projekte zu den folgenden Resultaten:
 

Projekt 1: Langfristige Verbesserung kardiovaskulärer Risikofaktoren durch stationäre Rehabilitation

In diesem Projekt wurde die langfristige Einflussnahme auf essentielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas über eine Nachbeobachtungszeit von 13 Monaten untersucht. Diese Risikofaktoren wurden ausgewählt, da es sich um quantitativ fassbare Faktoren handelt, die einer statistischen Analyse gut zugänglich sind.

Zu Beginn der stationären Rehabilitation lag der durchschnittliche Blutdruck bei den behandelten Hypertonikern bei 162/95 mmHg. Im Falle von Fettstoffwechselstörungen betrug der durchschnittliche Spiegel des Gesamt-Cholesterins 268 mg/dl, das LDL-Cholesterin lag durchschnittlich bei 191 mg/dl, das HDL-Cholesterin bei 51 mg/dl und der Cholesterin-HDL-Quotient bei 5,6. Die Triglyceride bewegten sich zu Beginn der Rehabilitation im Durchschnitt bei 296 mg/dl. Bei den adipösen Patienten wurde das Broca-Normalgewicht zu Beginn der Rehabilitation durchschnittlich um 30% überschritten.

13 Monate nach Rehabilitationsende bestand noch bei 25% der ursprünglich hypertonen Patienten eine Normotonie, und bei mehr als 50% dieser Patienten konnte die ursprünglich manifeste Hypertonie in eine Borderline-Hypertonie überführt werden. Von den Patienten mit ursprünglicher Borderline-Hypertonie befanden sich noch mehr als 50% in Normotonie. Der Anteil der manifest hypertonen Patienten konnte langfristig um mehr als 2/3 reduziert werden, der Anteil derjenigen Hypertoniker, bei denen ein normalisierter Blutdruck bestand, lag fünfmal höher als zu Beginn der Rehabilitation. Antihypertensiva konnten in 25% aller Fälle reduziert oder abgesetzt werden. Die durchschnittliche Blutdruckreduktion betrug etwa 20 mmHg systolisch und 10 mmHg diastolisch.

Bei ungefähr 50% der Patienten mit Hyperlipidämie lagen die Spiegel des Gesamt-Cholesterins und LDL-Cholesterins unter häuslichen Bedingungen langfristig 14 bzw. 24% niedriger als zu Rehabilitationsbeginn. Bei 2/3 der Patienten mit Hypertriglyceridämie bestand eine langfristige Verringerung der Blutspiegel um 35%. Bei allen Patienten, welche von Fettstoffwechselstörungen betroffen waren, konnte der Cholesterin-HDL-Quotient langfristig um durchschnittlich 0,9 reduziert werden.

Bei den adipösen Patienten konnte, gemittelt über alle Probanden, das Körpergewicht um durchschnittlich 5 kg reduziert werden; dies entsprach einer langfristigen Reduktion der prozentualen Gewichtsüberschreitung des Broca-Normalgewichtes um 7,5%. 18% der Patienten erreichten langfristig eine Normalisierung ihres Körpergewichtes; 25% der adipösen Patienten konnten langfristig eine Gewichtsreduktion halten. Die Hälfte der adipösen Patienten war dahingehend erfolgreich, dass unter häuslichen Bedingungen eine weitere Gewichtsreduktion um durchschnittlich 3,9 kg nach Entlassung stattfinden konnte; bei diesen Patienten ergab sich eine langfristige Verringerung der prozentualen Überschreitung des Broca-Normalgewichtes um 13%. Ungefähr 1/5 der adipösen Patienten konnte das jeweilige Entlassungsgewicht langfristig beibehalten. In 1/3 der Fälle ergab sich nach Entlassung ein leichter Gewichtszuwachs, ohne dass das Ausgangsgewicht wieder erreicht wurde. Der Anteil der Patienten, die ihr ursprüngliches Gewicht wieder erreichten oder sogar überschritten, betrug lediglich 6%.

Je nach Risikofaktor lag der Anteil derjenigen Patienten, die ihre jeweiligen Risikofaktoren nach Entlassung aus der Rehabilitation weitergehend reduzieren konnten, bei bis zu 50%. Hieraus kann abgeleitet werden, dass zu einem wesentlichen Anteil vorhandene kardiovaskuläre Risikofaktoren bei den betroffenen Patienten durch stationäre Rehabilitationen langfristig verbesserbar sind. Daher sollten solche Rehabilitationsmaßnahmen geeignet sein, einen wesentlichen Beitrag zur Kostenreduktion in unserem Gesundheitswesen zu leisten, wenn durch erfolgreiches Risikomanagement spätere kardiovaskuläre Folgekrankheiten verhindert oder ins spätere Lebensalter hinausgeschoben werden.

Projekt 2: Langfristige Beeinflussung von Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas mittels stationäre Rehabilitation – Ergebnisse einer 3-jährigen Patienten-Nachbeobachtung

Signifikante Verringerungen existierender Risikofaktoren ergaben sich auch bei einem Follow-up über eine 3-Jahres Periode; das Ausmaß der Veränderungen war weitgehend vergleichbar mit den Ergebnissen des Projektes 1.

Bei Hypertonikern bleibt auch über eine 3-jährige Nachbeobachtung der Blutdruck um durchschnittlich 20 mmHg systolisch und 10 mmHg diastolisch gesenkt. Dies entspricht derjenigen Blutdrucksenkung, die auch nach 13-monatiger Beobachtung festzustellen war.

Auch bei Patienten mit Hyperlipidämie blieben die Durchschnittswerte für Gesamt-Cholesterin, Triglyceride, LDL-Cholesterin, Cholesterin-HDL-Quotienten signifikant erniedrigt. Im Durchschnitt zeigten je nach Parameter 60 bis 100% der betroffenen Patienten langfristige Verbesserungen ihrer ursprünglichen Werte. Die langfristige Verringerung der Ursprungswerte betrug je nach Parameter minus 6,0 bis minus 12,3%.

Bei 20% der ursprünglich adipösen Patienten bestand langfristig ein normalisiertes Körpergewicht. Gemittelt über sämtliche adipösen Patienten, blieb das Durchschnittsgewicht auch nach 3 Jahren niedriger als zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme (minus 3,4 kg), entsprechend einer Reduktion der prozentualen Überschreitung des Broca-Normalgewichtes um 6%.

40% der Patienten hatten auch 3 Jahre nach Entlassung aus der Rehabilitation ein niedrigeres Körpergewicht als zu Rehabilitationsbeginn. In dieser Subgruppe betrug durchschnittliche Gewichtsreduktion 7,9 kg bzw. minus 7,1% im Hinblick auf die Broca-Gewichtsüberschreitung. Unter häuslichen Bedingungen konnten 34,5% dieser Patienten ihr Körpergewicht weitergehend reduzieren. In dieser Subgruppe betrug die durchschnittliche Gewichtsreduktion 13,5 kg, entsprechend einer Verringerung der prozentualen Überschreitung des Broca-Normalgewichtes um 12,4%.

Sämtliche erwähnten positiven Aspekte waren unabhängig von medikamentösen Behandlungen zu erreichen.

Diese Resultate belegen wiederum, dass eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme bei geeigneter Konzeptionierung in der Lage ist, über mindestens 3 nachfolgende Jahre wesentliche Verbesserungen existierender kardiovaskulärer Risiken zu bewirken. Auch diese Ergebnisse lassen naheliegend erscheinen, dass solche Rehabilitationsprogramme geeignet sind, einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Primärprävention und zur Kostensenkung im Hinblick auf arteriosklerotische Folgekrankheiten zu leisten.


Publikationen:

Piper, J.: Langfristiger Einfluss einer stationären Kurmaßnahme auf essentielle Hypertonie
Phys Rehab Kur Med 4, 113-117, Thieme, 1994

Piper, J.: Langfristiger Einfluss einer stationären Kurmaßnahme auf Fettstoffwechselstörungen
Phys Rehab Kur Med 4, 214-219, Thieme, 1994

Piper, J.: Langfristiger Einfluss einer stationären Kurmaßnahme auf Adipositas
Phys Rehab Kur Med 5, 19-22 Thieme, 1995

Piper, J.: Langfristige Besserung kardiovaskulärer Risikofaktoren durch stationäre Rehabilitation
Praev.-Rehab. 8 / 1, 29-34, Dustri, 1996

Piper, J., Mack, R.: Langfristiger Einflus einer stationären Rehabilitationsmaßnahme auf Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas - Resultate einer Patientennachbeobachtung über einen 3-Jahres-Zeitraum
Phys. Rehab Kur Med 8, 46-51, Thieme, 1998


Copyright: Joerg Piper, Bad Bertrich, Germany, 2010

 

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